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Wider dem Fachkräftemangel - Scheitern und neuer Versuch

Deutschland braucht ausländische Fachkräfte, so kann man oft in den Medien lesen. Doch wie sieht es aus, wenn sich Unternehmen und Bewerber einig sind und die Ausländerbehörde "ins Spiel" kommt? In diesem Beitrag berichtet Steuerberater Alexander Huber von seinen Erfahrung bei der Besetzung unseres Ausbildungsplatzes für das Jahr 2021.

 

Studium oder Ausbildung

Eine Bewerberin für dieses Jahr - nennen wir Sie Rosa - hat sich ursprünglich für einen dualen Studienplatz BWL-Steuerberatung (Bachelor) in unserem Unternehmen interessiert. Sie war die aussichtreichste Kandidatin und hat demzufolge auch schon im April 2021 die Zusage erhalten.

In Ihrem Heimatland wurde Sie als Rechtsanwältin verfolgt und mit dem Tode bedroht und ist daher nach Deutschland geflohen. Ihre Ausbildung wird in Deutschland ebenso wenig anerkannt wie der Status als Asylsuchende. Da eine weitere Möglichkeit für ein Bleiberecht eine Ausbildung ist, hofften wir - ebenso wie Rosa - darauf, dass sie so nicht nur in Deutschland bleiben, sondern auch bei uns lernen kann.

Bald stellte sich dann heraus, dass ein Studium keine Alternative für Rosa ist, da die Einkünfte als Praktikantin/ duale Studentin der Ausländerbehörde nicht genügen. In der Folge hat sich Rosa dann Anfang Juli entschlossen stattdessen eine Ausbildung als Steuerfachangestellte, mit Beginn im September 2021, bei plietsch! aufzunehmen.

 

Die Mühlen der Ausländerbehörde

Über Ihre Anwältin war Rosa schon vor der Änderung der Vertragsgrundlage mit der Ausländerbehörde in Kontakt. Wir haben also parallel zum Ausbildungsvertrag ein Schreiben aufgesetzt, in dem wir begründen, warum Rosa den Ausbildungsplatz erhalten hat und darum bitten dass eine Genehmigung erfolgt. 

Parallel haben wir über den Flüchtlingsrat Niedersachsen und den Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V. versucht Informationen zu erhalten, wie das Verfahren ggf. zum Erfolg getrieben werden kann. Das Ergebnis war ernüchternd:

Rosa sollte - obwohl sie in ihrer Heimat mit dem Tod bedroht wurde - in ihr Herkunftsland zurück und sich dann dort bei der deutschen Botschaft melden, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Ausbildung zu beantragen. Neben der akuten Lebensgefahr, in die sich Rosa dadurch bringen würde, bestand zusätzlich das Risiko, dass das Verfahren nicht genehmigt werden würde.

 

Formelles Scheitern

Rosa blieb also nichts anderes übrig, als sich die Genehmigung zur Ausbildung einzuklagen. Leider scheiterte der Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht, da sie zu diesem Zeitpunkt keinen gültigen Ausweis mehr hatte. Auch ein späterer Ausbildungsbeginn war im Nachgang nicht möglich.

Da nun schon zu viel Stoff verpasst wurde und es bei den Steuerfachangestellten auch keinen Ausbildungsbeginn im Februar 2022 gibt, hat sich Rosa schweren Herzens für eine andere Ausbildung entschieden, um - mit dem nächsten Klageverfahren - nunmehr eine Ausbildung im Februar 2022 beginnen zu können.

Wir wünschen Rosa dafür viel Erfolg!

 

Ein persönlicher Dank

Als Dank für unsere Unterstützung haben wir von Rosa eine selbst gestaltete Karte erhalten, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

Vielen Dank

Wir haben Rosa sehr gerne dabei unterstützt, in Deutschland Fuß zu fassen. Jetzt hoffen wir, dass sie anderswo genauso wahrherzig empfangen wird.

 

Ausblick 2022

Da wir in 2021 nur einen Ausbildungsplatz in unserer Steuerkanzlei besetzen konnten, suchen wir nun für August 2022 eine*n Auszubildenden zum*r Steuerfachangestellten für unseren Standort in Reppenstedt. Weitere Informationen und Bewerbung über unsere Karriere-Seite.


Weitere Informationen rund um Buchhaltung und Steuern finden Sie in unserem Mitgliedsbereich.

Besonders empfehlen möchten wir unser Abkürzungslexikon mit mehr als 575 Einträgen aus den Bereichen Finanzen, Steuerrecht und Handelsrecht.