ChatGPT als Steuerberater?

Warum Laien ChatGPT nicht als Steuerberater nutzen sollen

In Zeiten zunehmender Digitalisierung wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) immer alltäglicher – auch im steuerlichen und rechtlichen Bereich. Besonders ChatGPT, ein KI-gestütztes Sprachmodell von OpenAI, wird inzwischen von vielen Menschen für die schnelle Beantwortung von Fragen genutzt – darunter auch steuerliche oder rechtliche Anliegen. Bereits im Februar 2023 hatten wir das erste Mal berichtet. ↗ ChatGPT und Steuern

Warum beim Einsatz der KI Vorsicht geboten ist, erläutern wir Ihnen heute.

ChatGPT – hilfreich, aber kein Steuerberater

So beeindruckend die Technologie auch ist: ChatGPT ist weder Steuerberater noch Rechtsanwalt. Die KI ist nicht (durchgängig) in der Lage, Ihren komplexen und individuellen Sachverhalt fachlich korrekt zu bewerten. Stattdessen basiert die KI auf einem riesigen Datenfundus aus Texten, Foren, Dokumentationen und anderen öffentlich zugänglichen Informationen – darunter können auch veraltete, unvollständige oder unzuverlässige Quellen sein. Diese Daten werden von der KI zu neuen Texten zusammengefasst, wie ↗ die Sendung mit der Maus eindrucksvoll zeigt.

Letztlich erkennt die KI Muster in Texten, kann aber den eigentlichen Inhalt nicht verstehen. So kann man über die KI-Modelle zum Beispiel die Empfehlung für einen Steuerberater erhalten [Link Blog]. Eine fundierte steuerliche oder rechtliche Einzelfallprüfung können ChatGPT, Gemini oder Perplexity jedoch nicht leisten – und haften letztlich auch bei Fehlern nicht.

Hoch lebe der Sachverhalt

Dieser unter Juristen beliebte Spruch zeigt eines der Probleme in Ihrer Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz. Oftmals scheitert die richtige Antwort nämlich schon an einer fehlerhaften oder laienhaften Fragestellung. Beim Prompting kommt es darauf an der KI die Fragen so zu stellen, dass die Antwort auch zum geforderten Ergebnis passt.

Zum Beispiel sollte, damit eine KI nicht oder möglichst selten „halluziniert“, die Fragestellung das Halluzinieren möglichst ausschließen.

Warum das gefährlich sein kann

In unserer täglichen Arbeit begegnen wir immer häufiger Mandanten, die Aussagen aus ChatGPT mit in Gespräche bringen oder per Mail an uns senden – Aussagen, die nicht selten im Widerspruch zur geltenden Rechtslage oder den individuellen Umständen stehen. Das kann zu Missverständnissen, falschen Erwartungen oder sogar rechtlichen Problemen führen.

Ein Beispiel: Eine scheinbar eindeutige Antwort von ChatGPT zu einer steuerlichen Absetzbarkeit kann – ohne Kontext – leicht fehlinterpretiert werden. Dabei kommt es in der Praxis stets auf Details an: Persönliche Lebenssituation, steuerliche Gegebenheiten, aktuelle Rechtsprechung oder länderspezifische Unterschiede.

Einzelfälle brauchen Einzelfallberatung

Steuerrecht und auch viele rechtliche Fragen lassen sich nicht mit pauschalen Aussagen beantworten. Denn letztlich wollen Sie doch eine persönliche Beratung, die Ihren individuellen Bedürfnissen entspricht. Dies kann eine qualifizierter Steuerberater leisten, jedoch keine künstliche Intelligenz.

Ob Einkommensteuer, steuerfreie Bezüge für Mitarbeiter, steuerliche Vertragsprüfung oder steuerrechtliche Rechtsbehelfe: Nur eine individuelle Prüfung stellt sicher, dass Sie rechtskonform handeln, Gestaltungsspielräume optimal nutzen und keine Nachteile erleiden.

KI als Ergänzung – nicht als Ersatz

Natürlich kann ChatGPT eine sinnvolle Unterstützung sein – etwa zur Ideenfindung, zur Orientierung über Fachbegriffe, oder um sich grob in ein Thema einzuarbeiten. Es ersetzt jedoch keine rechtlich fundierte Beratung und schon gar nicht die Fachkompetenz, die nur durch Studium, Berufserfahrung und regelmäßige Fortbildungen entstehen kann.

Auch wir selbst nutzen neben den Standard-KIs auch die KI von Fachverlagen zur Recherche oder für den Entwurf von Texten. Am Ende übernehmen wir nicht einmal den Werbetext 1:1, sondern passen alles auf unseren Stil an. Und bei den Fachinformationen ist uns die eigentliche Quelle oft wichtiger als der ausgegebene Text durch die KI. Nur so können wir Ihnen qualitativ hochwertige Steuerberatung im digitalen Zeitalter bieten.

Unser Fazit

Die Nutzung von ChatGPT kann erste Impulse liefern – aber sie ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit einem Experten. Steuerliche und rechtliche Entscheidungen sollten niemals auf Grundlage pauschaler KI-Antworten getroffen werden.

Verlassen Sie sich daher lieber auf Menschen, die wissen, was sie tun. Denn: Auch in Zukunft wird eine KI kein persönliches Mandantengespräch ersetzen können.

Wir beraten Sie gerne!

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