Genossenschaft

Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende

Wie eine Genossenschaft den Generationswechsel ermöglichen kann

Was passiert mit einem Unternehmen, wenn sich kein einzelner Nachfolger findet? Diese Frage stellt sich für viele Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihren Ruhestand planen oder sich schrittweise aus dem Betrieb zurückziehen möchten. Die klassische Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie oder durch den Verkauf an eine einzelne Person ist dabei nicht die einzige Möglichkeit.

Eine interessante Alternative kann die Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende sein. Dabei schließen sich mehrere Beschäftigte zusammen und übernehmen gemeinsam Verantwortung für den Betrieb – beispielsweise in Form einer Genossenschaft.

Eine solche kooperative Unternehmensnachfolge kann dazu beitragen, ein bestehendes Unternehmen fortzuführen, Arbeitsplätze zu erhalten und vorhandenes Wissen im Betrieb zu sichern.

Tipp: Welche Möglichkeiten es bei einer klassischen Unternehmensnachfolge gibt und worauf Unternehmer bei der Planung achten sollten, erfahren Sie auch in unserem Beitrag

Wenn es keinen einzelnen Nachfolger gibt

Die Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin oder einem geeigneten Nachfolger ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung. Besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen ist der Betrieb häufig eng mit der bisherigen Inhaberin oder dem bisherigen Inhaber verbunden.

Gleichzeitig gibt es im Unternehmen oft bereits langjährige Mitarbeitende, die Kunden, Produkte, Abläufe und die Unternehmenskultur kennen. Nicht jeder von ihnen möchte den Schritt in die alleinige Selbstständigkeit wagen oder ein Unternehmen allein übernehmen.

Hier kann eine Unternehmensnachfolge durch mehrere Mitarbeitende ansetzen. Statt dass eine einzelne Person den Betrieb übernimmt, kann sich eine Gruppe zusammenschließen und die unternehmerische Verantwortung gemeinsam tragen.

Mit solchen Nachfolgemodellen beschäftigt sich unter anderem die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde beschäftigt sich im Forschungsprojekt „Inno4Ufo“ ↗ mit solchen kooperativen Nachfolgemodellen. Dabei wurde unter anderem die gemeinschaftliche Übernahme einer Kfz-Werkstatt durch die Mitarbeitenden untersucht.

Was ist eine Unternehmensnachfolge durch eine Genossenschaft?

Eine Möglichkeit ist die Gründung einer eingetragenen Genossenschaft (eG). Die beteiligten Mitarbeitenden schließen sich zusammen und schaffen damit eine gemeinsame Organisationsstruktur für die geplante Übernahme.

Vereinfacht dargestellt:

  1. Mitarbeitende entwickeln gemeinsam mit dem bisherigen Eigentümer ein Übernahmekonzept.
  2. Die erforderliche genossenschaftliche Struktur wird geschaffen.
  3. Finanzierung und steuerliche Gestaltung werden geklärt.
  4. Die Genossenschaft übernimmt das Unternehmen oder die vereinbarten Vermögenswerte.
  5. Die Mitarbeitenden führen den Betrieb gemeinsam weiter.

Die Genossenschaft ist eine eigenständige juristische Person. Für Gründung, Organisation und Eintragung gelten die Vorgaben des Genossenschaftsgesetzes.

Die Übernahme eines Unternehmens durch seine Belegschaft wird auch als Workers‘ Buyout bezeichnet. Eine Genossenschaft kann dabei eine mögliche Organisationsform für die Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende sein.

Welche Vorteile kann eine genossenschaftliche Unternehmensnachfolge bieten?

Eine Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende kann verschiedene Vorteile bieten:

Vorhandenes Wissen bleibt im Unternehmen

Mitarbeitende kennen Produkte, Kunden, Lieferanten und Abläufe bereits. Dieses Wissen muss nicht vollständig an einen externen Käufer übertragen werden.

Verantwortung wird auf mehrere Personen verteilt

Die unternehmerische Verantwortung liegt nicht bei einer einzelnen Person. Aufgaben und Zuständigkeiten können innerhalb der Gruppe verteilt werden.

Unternehmenskultur und Arbeitsplätze können erhalten bleiben

Bei einer Übernahme durch die Belegschaft besteht die Möglichkeit, gewachsene Strukturen und die bisherige Unternehmenskultur fortzuführen.

Eine zusätzliche Möglichkeit der Nachfolgeplanung

Die Genossenschaft ersetzt klassische Nachfolgemodelle nicht, kann aber eine interessante Alternative sein, wenn sich kein einzelner Nachfolger findet.

Wie läuft eine Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende ab?

Eine solche Nachfolge lässt sich nicht nach einem festen Muster umsetzen. Wichtige Punkte sind insbesondere:

Nachfolge frühzeitig planen

Zunächst sollte geprüft werden, ob eine Übernahme durch mehrere Mitarbeitende wirtschaftlich und organisatorisch realistisch ist.

Geeignete Mitarbeitende einbeziehen

Es braucht eine Gruppe, die bereit ist, langfristig unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Rechtsform prüfen

Eine Genossenschaft kann eine geeignete Struktur sein. Je nach Unternehmen können jedoch auch andere Rechtsformen infrage kommen.

Finanzierung klären

Eigenmittel, Fremdfinanzierungen oder weitere Finanzierungsbausteine können für die Übernahme relevant sein.

Steuerliche Folgen prüfen

Die steuerlichen Auswirkungen hängen unter anderem von der bisherigen Rechtsform, der Art der Übertragung und den übertragenen Vermögenswerten ab.

Übergang vorbereiten

Auch Geschäftsführung, Aufgabenverteilung und die Rolle des bisherigen Eigentümers während der Übergangsphase sollten frühzeitig geklärt werden.

Welche steuerlichen Fragen sind wichtig?

Eine genossenschaftliche Unternehmensnachfolge sollte steuerlich individuell geplant werden. Unter anderem können folgende Fragen relevant sein:

  • Wird das Unternehmen verkauft oder anders übertragen?
  • Welche Rechtsform hat das Unternehmen bisher?
  • Welche Vermögenswerte werden übertragen?
  • Wie wird die Übernahme finanziert?
  • Welche steuerlichen Folgen entstehen für den bisherigen Eigentümer?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich für die Mitarbeitenden und die Genossenschaft?

Je nach Gestaltung können beispielsweise stille Reserven steuerlich relevant werden. Eine pauschale Aussage, dass eine Unternehmensnachfolge über eine Genossenschaft steuerlich günstiger ist, lässt sich daher nicht treffen.

Für welche Unternehmen kann das Modell interessant sein?

Eine kooperative Unternehmensnachfolge kann insbesondere dann infrage kommen, wenn:

  • mehrere Mitarbeitende Interesse an einer Übernahme haben,
  • kein einzelner Nachfolger gefunden wird,
  • das Team über umfangreiches Unternehmenswissen verfügt,
  • die Beteiligten gemeinsam Verantwortung übernehmen möchten und
  • die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Übernahme gegeben sind.

Ob eine Genossenschaft tatsächlich die passende Lösung ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

Unser Tipp zur Unternehmensnachfolge durch Mitarbeitende

Planen Sie Ihre Unternehmensnachfolge frühzeitig. Je früher verschiedene Nachfolgemodelle geprüft werden, desto größer ist der Gestaltungsspielraum.

Auch die Nachfolge durch mehrere Mitarbeitende und die Gründung einer Genossenschaft kann dabei als mögliche Option berücksichtigt werden.

Als Steuerberater unterstützen wir Sie dabei, die steuerlichen Auswirkungen verschiedener Nachfolgelösungen zu prüfen und gemeinsam mit den weiteren erforderlichen Beratern eine passende Gestaltung vorzubereiten.

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