Risiko Schuldenfalle für Unternehmer?
Warum ist „Kauf auf Rechnung“ so beliebt? Der Kauf auf Rechnung gehört zu den beliebtesten Zahlungsmethoden im E-Commerce – sowohl bei Privatkunden als auch im B2B-Bereich. Für Unternehmer bietet er folgende Vorteile:
- Liquidität bleibt erhalten, da erst nach Lieferung gezahlt wird
- Umsatzsteigerung durch geringere Kaufhindernisse
- Flexibilität bei saisonalen oder projektbezogenen Ausgaben
Doch mit Angeboten wie Ratenzahlung oder Buy Now Pay Later (BNPL) steigt auch das Risiko, dass sich offene Forderungen anhäufen und die Unternehmensfinanzen aus dem Gleichgewicht geraten.
Kauf auf Rechnung ist meist kurzfristig und planbar. BNPL oder klassische Ratenzahlung verteilt die Schuld über mehrere Monate. Das führt zwar zu besseren Abschlussraten im Shop des Anbieters, birgt aber signifikant höhere Risiken für Schulden und Liquiditätsengpässe beim Käufer – insbesondere für Privatpersonen und kleinere Unternehmer.
Das Risiko: Schuldenfalle für den Unternehmer
1. Als Kunde: Psychologische Kaufbarriere fällt weg
Schnell führt „jetzt bestellen, später zahlen“ dazu mehr zu kaufen als geplant ist. Für Unternehmer bedeutet das:
- Überziehung von Budgets
- unklare Zahlungsplanung
- steigende Verbindlichkeiten durch mehrere offene Ratenverträge
2. Als Händler: Liquiditätsplan gerät ins Wanken
Wenn viele Kunden auf Raten zahlen oder ihre Zahlungsziele nicht einhalten, kann es für Sie als Unternehmer schwieriger werden, die eigene Liquidität zuverlässig zu planen. Hohe offene Forderungen helfen der Liquidität nicht weiter. Gleichzeitig laufen die Betriebskosten weiter und auch Ihre Lieferanten wollen bezahlt werden.
3. Bonität in Gefahr
Sowohl für Händler als auch für Kunden kann sich die Bonität verschlechtern, wenn Zahlungen ausbleiben oder verzögert sind. Das kann Einfluss auf zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten, Kreditzinsen und Lieferantenkonditionen haben.
Was passiert, wenn Lieferanten auf Vorkasse umstellen?
Ein Szenario, das Unternehmer sich bewusst machen müssen: Lieferanten verlangen plötzlich Vorkasse.
Ursachen für den Wechsel zu Vorkasse
- verschlechterte Wirtschaftslage
- allgemein schlechte Zahlungsmoral im Markt
- steigende Forderungsausfälle
- schlechte Erfahrungen mit Kunden aus der gleichen Branche
- schlechte eigene Bonität
Folgen für Unternehmer
- Kapitalbindung: Der Lieferant muss vorab gezahlt werden, bevor Sie selbst Ware weiterverkaufen können
- Liquiditätsdruck: Je höher Ihr Lagerbestand, desto geringer Ihr finanzieller Spielraum
- Risiko Lieferausfall: Ohne ausreichende Mittel riskieren Sie Verzögerungen oder Ausfälle von Bestellungen bei Ihren Lieferanten
Gerade wenn Sie selbst als Unternehmer stark auf Zahlung per Rechnung oder BNPL setzen, müssen Sie besonders vorsichtig sein, wenn die Lieferkette plötzlich Vorkasse fordert. Das kann schnell in einen Teufelskreis führen, aus dem ein Ausweg schwierig ist.
Praktische Strategien, um Schuldenrisiken zu vermeiden
1 . Bonitätsprüfung
Nicht nur bei Neukunden, sondern regelmäßig auch bei Bestandskunden, besonders bei hohen Rechnungswerten.
2. Klare Zahlungsbedingungen
Definieren Sie Fristen, Mahngebühren und Inkassoprozesse – und kommuniziere Sie diese transparent.
3. Limit für Ratenzahlungen festlegen
Nur für geprüfte Kunden. Auf jeden Fall jedoch mit Obergrenzen und Rückzahlungsplänen.
4. Liquidität aktiv planen
Nutzen Sie Cash-Flow-Prognosen, um Lieferantenforderungen und offene Kundenrechnungen zu koordinieren.
5. Alternative Zahlungsmodelle prüfen
Prüfen Sie ob Sie einen Vorkasse-Rabatt oder Skonto gewähren können, um von Ihren Kunden die Zahlungen schneller zu erhalten und so die Liquiditätslücke zu schließen.

