Eine Kapitalgesellschaft gründen, ohne direkt 12.500 Euro Stammkapital aufzubringen? Genau das macht die Unternehmergesellschaft (UG) für viele Gründerinnen und Gründer interessant. Theoretisch ist eine UG sogar mit einem Stammkapital von nur einem Euro möglich. Und so entscheiden sich viele Gründer*innen relativ schnell die Frage: UG oder GmbH?
Doch nur weil etwas rechtlich möglich ist, muss es wirtschaftlich nicht immer sinnvoll sein. Gerade bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft lohnt es sich deshalb, nicht nur auf das gesetzliche Mindestkapital zu schauen.
Die UG: Günstiger Start, aber nicht ohne Kosten
Die UG (haftungsbeschränkt) wurde geschaffen, um Gründungen mit geringerem Kapital zu ermöglichen. Anders als bei der GmbH ist kein Stammkapital von 12.500 Euro erforderlich (Mindestkapital 25.000 EUR, davon 1/2 sofort einzuzahlen).
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gründung einer UG tatsächlich mit einem Euro erledigt ist. Auch eine sehr kleine Kapitalgesellschaft hat laufende Kosten. Dazu gehören beispielsweise:
- Gebühren für Bank und Geschäftskonto
- Kosten für Steuerberatung und Buchhaltung
- Notar- und Registerkosten
- Versicherungen
- Software und weitere betriebliche Ausgaben
- gegebenenfalls Kosten für Geschäftsräume, Personal oder Dienstleister
Wer eine UG mit lediglich einem Euro Stammkapital gründet, hat daher keinen finanziellen Spielraum für die ersten Ausgaben. Das Stammkapital sollte nicht nur die formale Gründung ermöglichen, sondern auch zur tatsächlichen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens passen.
Unser Rat: Wer eine Kapitalgesellschaft (also UG oder GmbH) gründet, sollte nicht nur fragen, wie wenig Kapital rechtlich möglich ist, sondern wie viel Kapital wirtschaftlich sinnvoll ist.
Warum 5.000 Euro als Startkapital sinnvoller sein können
Eine gesetzliche Mindesthöhe von 5.000 Euro gibt es bei der UG nicht. Dennoch kann es sinnvoll sein, bei der Gründung mehr als den symbolischen Betrag von einem Euro einzubringen.
Denn die entscheidende Frage lautet:
Wie soll das Unternehmen seine ersten Monate überstehen?
Wer bereits bei der Gründung weiß, dass unmittelbar nach dem Start Kosten anfallen, sollte diese bei der Kapitalausstattung berücksichtigen. Ein etwas höheres Stammkapital kann dabei für mehr Liquidität und einen größeren finanziellen Puffer sorgen.
Die Gründungskosten und der tatsächliche Kapitalbedarf sollten deshalb von Anfang an in die Planung einbezogen werden.
Was passiert, wenn die UG später erfolgreich ist?
Ein weiterer Punkt wird bei der Entscheidung zwischen UG und GmbH häufig unterschätzt.
Die UG kann zwar als Einstieg in eine Kapitalgesellschaft attraktiv sein. Wenn das Unternehmen wächst und dauerhaft ausreichend Kapital vorhanden ist, stellt sich jedoch möglicherweise irgendwann die Frage, ob die Gesellschaft in eine GmbH überführt werden soll.
Eine UG kann grundsätzlich durch eine Kapitalerhöhung auf das Mindeststammkapital einer GmbH gebracht und anschließend als GmbH fortgeführt werden. Dafür sind jedoch weitere gesellschaftsrechtliche Schritte erforderlich.
Unter anderem müssen die entsprechenden Beschlüsse gefasst und die Änderungen notariell umgesetzt sowie im Handelsregister eingetragen werden. Damit entstehen erneut Zeitaufwand, organisatorischer Aufwand und erneute Kosten.
UG oder GmbH: Welche Rechtsform passt wirklich?
Die Frage sollte deshalb nicht lauten: „Wie kann ich möglichst günstig eine Kapitalgesellschaft gründen?“
Sinnvoller ist: „Welche Rechtsform passt zu meinem Geschäftsmodell, meinem Kapitalbedarf und meinen langfristigen Zielen?“
Wer beispielsweise bereits bei der Gründung über ausreichendes Kapital verfügt und langfristig eine klassische Kapitalgesellschaft aufbauen möchte, sollte prüfen, ob die direkte Gründung einer GmbH nicht die bessere Lösung ist.
Die GmbH bietet dabei einen etablierten Rahmen und erspart gegebenenfalls einen späteren zusätzlichen Schritt von der UG zur GmbH. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine UG grundsätzlich die falsche Wahl ist. Für bestimmte Gründungssituationen kann sie durchaus sinnvoll sein – insbesondere wenn das verfügbare Kapital zunächst begrenzt ist und weitere Rahmenbedingungen des Unternehmens dafür sprechen.
Nicht nur das Stammkapital entscheidet
Bei der Wahl zwischen UG und GmbH sollte das gesetzliche Stammkapital daher nur ein Teil der Überlegung sein. Wichtiger sind unter anderem:
- Wie hoch ist der tatsächliche Kapitalbedarf zum Start?
- Welche laufenden Kosten entstehen?
- Wie schnell soll das Unternehmen wachsen?
- Sind Investitionen geplant?
- Wie soll die Gesellschaft langfristig aufgestellt sein?
- Ist eine spätere Umwandlung in eine GmbH wahrscheinlich?
- Wie wichtig ist das Ansehen des Unternehmens?
- Welche steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen gelten für die persönliche Situation?
Gerade der letzte Punkt zeigt: Die richtige Rechtsform gibt es nicht pauschal. Einen kurzen Einblick in das Thema Rechtsformwahl bietet ein Video der IHK München auf YouTube ↗.
Unser Fazit: Nicht am falschen Ende sparen
Eine UG mit einem Euro Stammkapital zu gründen, klingt zunächst attraktiv. In der Praxis sollte jedoch nicht nur die gesetzliche Mindestanforderung betrachtet werden, wenn die Gründung einer UG oder GmbH ansteht.
Wer eine Kapitalgesellschaft gründen möchte, sollte von Anfang an die tatsächlichen Gründungskosten, laufenden Ausgaben und den notwendigen finanziellen Spielraum berücksichtigen. Ein höheres Startkapital wird bei den meisten Gründungen wirtschaftlich sinnvoll sein.
Und wenn bereits bei der Gründung feststeht, dass langfristig eine GmbH angestrebt wird und das erforderliche Kapital vorhanden ist, lohnt sich die direkte Gründung einer GmbH.
Denn eine vermeintlich günstige Gründung ist nicht automatisch die günstigste Lösung auf lange Sicht.
Sie überlegen, ob für Ihre Gründung eine UG oder eine GmbH sinnvoller ist? Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihre individuelle Situation und Ihre langfristigen Ziele schauen.

