Warum Unternehmer ihre Bank nicht dem Zufall überlassen sollten
Nachhaltige Geschäftsbanken gewinnen für Unternehmen zunehmend an Bedeutung
Viele Unternehmer vergleichen regelmäßig Preise, Lieferanten oder Energiekosten. Die eigene Geschäftsbank wird dagegen oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg nicht hinterfragt.
Dabei entscheidet die Wahl der Bank nicht nur über Kontoführungsgebühren, Finanzierungsmöglichkeiten oder den persönlichen Ansprechpartner. Immer häufiger rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, welche Projekte und Branchen Banken mit den Einlagen ihrer Kunden finanzieren.
Die Organisationen Urgewald ↗ veröffentlicht regelmäßig Analysen und Rankings, die das Engagement von Banken in klimaschädlichen Geschäftsbereichen dokumentieren. Dabei stehen insbesondere Finanzierungen im Zusammenhang mit Kohle, Öl und Gas im Fokus. Diese Auswertungen liefern Unternehmen eine wichtige Informationsgrundlage, wenn sie ihre Geschäftsbank unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten bewerten möchten.
Auch wenn die Ergebnisse nicht das einzige Entscheidungskriterium sein sollten, schaffen sie Transparenz über die Wirkung finanzieller Entscheidungen.
Für Unternehmen lohnt es sich daher, die eigene Bankverbindung kritisch zu überprüfen. Denn Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor und beeinflusst nicht nur das Unternehmensimage, sondern auch Geschäftsbeziehungen und Finanzierungsmöglichkeiten.
Wahl der Geschäftsbank ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie
Viele Unternehmen investieren bereits in Photovoltaik, energieeffiziente Gebäude oder nachhaltige Lieferketten. Gleichzeitig verbleiben die Unternehmensgelder jedoch häufig bei Banken, deren Finanzierungsstrategien diesen Zielen widersprechen können.
Gerade Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeitende achten immer stärker darauf, ob Nachhaltigkeit tatsächlich gelebt oder lediglich kommuniziert wird. Deshalb stellt sich für viele Unternehmen die Frage: Passt die eigene Bank noch zur Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens?
Diese Frage gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte erstellen, ESG-Kriterien berücksichtigen oder eine Gemeinwohlbilanz erstellen möchten.
Warum Unternehmer das Thema nicht ignorieren sollten
Wer sich nicht mit der Nachhaltigkeit seiner Bank beschäftigt, kann verschiedene Risiken übersehen.
Reputationsrisiken
Geschäftspartner, Kunden und Mitarbeitende achten verstärkt auf glaubwürdiges nachhaltiges Handeln.
Wenn ein Unternehmen Nachhaltigkeit aktiv kommuniziert, gleichzeitig aber mit Finanzinstituten zusammenarbeitet, die regelmäßig wegen klimaschädlicher Finanzierungen in der Kritik stehen, kann dies Fragen aufwerfen.
Die Folge können Glaubwürdigkeitsverluste und ein Imageschaden sein.
Nachhaltigkeit wird Teil von Lieferketten und Vergabeverfahren
Viele größere Unternehmen prüfen inzwischen Nachhaltigkeitskriterien entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette.
Dazu gehören unter anderem:
- Umweltmanagement
- Klimastrategien
- ESG-Kennzahlen
- nachhaltige Finanzierungsstrukturen
Auch öffentliche Auftraggeber berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend bei Ausschreibungen.
Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsstrategie ganzheitlich aufstellen möchten, sollten deshalb auch ihre Finanzpartner in die Betrachtung einbeziehen.
Finanzierung kann sich verändern
Nachhaltigkeit beeinflusst zunehmend die Kreditvergabe. Viele Banken entwickeln eigene ESG-Richtlinien und berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei Finanzierungsentscheidungen. Gleichzeitig entstehen neue nachhaltige Finanzierungsmodelle, beispielsweise für:
- Energieeffizienzmaßnahmen
- Photovoltaikanlagen
- Elektromobilität
- nachhaltige Investitionen
- klimafreundliche Unternehmensentwicklung
Unternehmen profitieren häufig davon, wenn sie sich frühzeitig mit nachhaltigen Finanzierungsstrukturen beschäftigen.
Die Kosten des Nichtstuns werden größer
Wer das Thema Nachhaltigkeit vollständig ignoriert, riskiert langfristig Nachteile. Dazu gehören beispielsweise:
- Wettbewerbsnachteile bei Ausschreibungen
- geringere Attraktivität als Arbeitgeber
- kritische Nachfragen von Kunden
- Reputationsschäden
- eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten
Hinzu kommt, dass Nachhaltigkeit zunehmend regulatorisch geprägt wird. Unternehmen müssen daher immer häufiger Informationen zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen bereitstellen.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
Unternehmer sollten sich regelmäßig folgende Fragen stellen:
- Welche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt unsere Geschäftsbank?
- Gibt es veröffentlichte ESG-Berichte?
- Welche Branchen finanziert die Bank schwerpunktmäßig?
- Unterstützt die Bank nachhaltige Investitionen?
- Passt die Bank zu unseren Unternehmenswerten?
Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, sofort die Bank zu wechseln. Vielmehr sollten Unternehmen eine bewusste Entscheidung treffen und die Auswirkungen ihrer Finanzbeziehungen kennen.
So kann ein kritisches Gespräch mit der Bank aufzeigen, dass man das Verhalten beobachtet und eher kritisch einschätzt. Je mehr Unternehmen das von sich aus tun, umso eher sind die Vorstände der Banken auch bereit etwas an der Geschäftspolitik zu ändern.
Fazit: Nachhaltigkeit endet nicht beim Firmengebäude
Viele Unternehmen investieren bereits erhebliche Mittel in nachhaltige Maßnahmen. Die Wahl der Geschäftsbank wird dabei jedoch häufig übersehen. Dabei beeinflussen Banken durch ihre Finanzierungsentscheidungen maßgeblich, welche Wirtschaftsbereiche wachsen und welche Geschäftsmodelle unterstützt werden.
Unternehmer sollten deshalb nicht nur ihre Lieferanten, Energieverträge oder Investitionen prüfen, sondern auch ihre Bankverbindung regelmäßig hinterfragen. Wer Nachhaltigkeit strategisch denkt, betrachtet nicht nur das eigene Unternehmen, sondern die gesamte Wertschöpfungs- und Finanzierungskette. Genau deshalb gewinnt die Wahl einer nachhaltigen Geschäftsbank zunehmend an Bedeutung.
Nachhaltige Geschäftsbanken – welche gibt es?
Welche Banken kommen denn für Unternehmer überhaupt in Frage? In der Übersicht von Urgewald ↗ haben lediglich 4 Banken ausschließlich eine „grüne Ampel“, was die Investitionen in Kohle, Gas und Öl angeht. Nur zwei davon haben Geschäfts-Girokonten für Firmen uneingeschränkt im Angebot:
- EthikBank eG ↗
Die Eröffnung von Firmen-Girokonto ist ebenso wie Fest- und Tagesgeld möglich. - GLS Gemeinschaftsbank eG ↗
Die Eröffnung von Firmen-Girokonto ist ebenso wie Fest- und Tagesgeld möglich.
Bei einer weiteren Bank gibt es Einschränkungen bei der Eröffnung und die vierte hat kein Angebot für Geschäftskunden:
- Umweltbank AG ↗
Die Umweltbank bietet ein Geschäftskonto nur für Unternehmen, die bereits eine Finanzierung über die Bank abgeschlossen haben. - Steyler Bank GmbH ↗
Diese Bank bietet derzeit keine Geschäftskonten an.

